Was hat die Landratswahl eigentlich mit uns Schülerinnen und Schülern zu tun? Eine ganze Menge! Genau dieser Frage ging die Schülervertretung des Gymnasiums Groß Ilsede am 18. August 2026 in einer Podiumsdiskussion zur bevorstehenden Kommunalwahl nach. In der Aula trafen Schülerinnen und Schüler der Jahrgänge 10 bis 13 auf acht Kandidatinnen und Kandidaten, die für das Amt der Landrätin beziehungsweise des Landrats im Landkreis Peine antreten.

Mit dabei waren Stefanie Weigand (Bündnis 90/Die Grünen), Martin Schampera (Volt), Julia Semper (SPD), Carsten Lauenstein (CDU), Marcus Seelis (FDP), Christian Meyer (Die Basis), Matthias Laue (parteilos) und Angela Rudzka (AfD).

Politik in 60 Sekunden

Zum Einstieg mussten die Politikerinnen und Politiker erst einmal zeigen, wie überzeugend sie in kurzer Zeit sein können: In einer Vorstellungsrunde hatten sie jeweils etwa eine Minute Zeit, um sich, ihre politische Ausrichtung und vor allem ihre Motivation für das Amt der Landrätin oder des Landrats vorzustellen.

Anschließend ging es direkt in die Schnellfragerunde. Mit grünen und roten Schildern konnten die Kandidierenden unkompliziert ihre Zustimmung oder Ablehnung zu verschiedenen politischen Aussagen zeigen. Dabei wurde deutlich, wie viele Themen im Landkreis direkt oder indirekt den Alltag junger Menschen betreffen.

Zur Diskussion standen unter anderem der Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs, die stärkere Priorisierung von Bus und Bahn, transparente Schulbudgets, energetische Sanierungen von Schulen, mehr Mitbestimmung von Schülerinnen und Schülern sowie schulpsychologische Unterstützung. Auch Jugendparlamente, praktische Berufsorientierung, die Beteiligung junger Menschen an politischen Entscheidungen, Klimaschutz, Photovoltaikanlagen auf öffentlichen Gebäuden, Migration, Sicherheit im öffentlichen Raum und der Abbau von Bürokratie wurden thematisiert.

Gerade für die Schülerinnen und Schüler wurde dadurch schnell deutlich: Kommunalpolitik klingt vielleicht zunächst weit weg – entscheidet aber über vieles, was direkt vor der eigenen Haustür passiert.

Von der Schule bis zum Krankenhaus

Nach dem schnellen Schlagabtausch wurde es konkreter. Die einzelnen Kandidierenden bekamen Fragen, die gezielt auf ihre politischen Schwerpunkte zugeschnitten waren.

Stefanie Weigand (Grüne) wurde beispielsweise nach der Zukunft des Klinikums Peine und dessen möglicher Weiterentwicklung zu einem medizinischen Zentrum gefragt. Auch die Förderung junger Menschen, der Erhalt kultureller Angebote wie des örtlichen Schwimmbads sowie Verbesserungen beim öffentlichen Personennahverkehr standen auf der Tagesordnung.

Bei Martin Schampera (Volt) ging es unter anderem um die Probleme an öffentlichen Schulen, die Zukunft der Innenstädte und Geschäfte sowie um den öffentlichen Nahverkehr – besonders vor dem Hintergrund der aktuellen Einschränkungen auf der Bahnstrecke Richtung Hannover.

Julia Semper (SPD) wurde mit den Zuständen an Schulen konfrontiert. Dabei standen unter anderem bauliche Probleme wie Schimmel, fehlende Räume und die Frage im Mittelpunkt, wie der Landkreis als Schulträger konkret für bessere Lernbedingungen sorgen kann.

Auch Matthias Laue (parteilos) musste sich sehr grundsätzlichen Fragen stellen: Wie soll mit den Finanzen des Landkreises umgegangen werden? Welche konkreten Angebote braucht es für Kinder und Jugendliche? Und wie kann ein echter Dialog mit Parteien und Wählergemeinschaften gelingen?

Unterschiedliche politische Schwerpunkte

Auch die weiteren Kandidierenden mussten sich kritischen Fragen stellen.

Carsten Lauenstein (CDU) wurde unter anderem zur Integration von Geflüchteten, zum Verhältnis von Natur- und Umweltschutz zu wirtschaftlichen Interessen sowie zur Zukunft von Rettungsdienst und Pflege befragt.

Bei Marcus Seelis (FDP) standen ein mögliches Jugendparlament, Sprachförderung vor dem Schuleintritt und der angekündigte Bürokratieabbau im Mittelpunkt. Besonders spannend für die Schülerschaft war dabei die Frage, wie viel tatsächlichen Einfluss Jugendliche auf politische Entscheidungen bekommen sollten.

Christian Meyer (Die Basis) wurde mit Fragen zu seinem „preußischen Amtsverständnis“, zur Bedeutung von Frieden und Sicherheit sowie zum Handlungsspielraum des Landkreises bei Vorgaben von Land, Bund und EU konfrontiert.

Auch Angela Rudzka (AfD) musste sich Fragen zu ihren politischen Prioritäten im Landkreis, zu Problemen an Schulen und zu ihrem Wechsel von der Bundes- in die Kommunalpolitik stellen.

Politik nicht nur für Erwachsene

Was die Veranstaltung besonders machte, war die Perspektive: Nicht Politikerinnen und Politiker bestimmten die Themen, sondern Schülerinnen und Schüler fragten nach.

Dabei ging es nicht nur um große politische Schlagworte, sondern um Dinge, die Jugendliche unmittelbar betreffen: Wie komme ich mit Bus und Bahn zur Schule? In welchem Zustand sind unsere Schulen? Welche Möglichkeiten haben Jugendliche, sich politisch einzubringen? Was passiert mit dem Krankenhaus in Peine? Wie attraktiv sind unsere Städte und Gemeinden? Und wie sieht die Zukunft des Landkreises aus?

Die von der Schülervertretung vorbereiteten Fragen zeigten, dass junge Menschen durchaus konkrete Vorstellungen davon haben, welche Probleme in ihrer Region angegangen werden müssen. Gleichzeitig wurde sichtbar, dass die verschiedenen politischen Gruppen teilweise sehr unterschiedliche Antworten und Prioritäten setzen.

Ein politischer Vormittag mit echtem Praxisbezug

Die Podiumsdiskussion war damit mehr als eine klassische Wahlkampfveranstaltung. Sie war eine Gelegenheit, Politik einmal live, direkt und ohne Umweg über Social Media zu erleben. Die Schülerinnen und Schüler konnten die Kandidierenden nicht nur kennenlernen, sondern auch erfahren, welche Themen ihnen wichtig sind und wie sie auf kritische Nachfragen reagieren.

Für die bevorstehende Kommunalwahl war die Veranstaltung deshalb ein wichtiger Beitrag zur politischen Bildung. Denn wer wählen darf, sollte auch wissen, wer zur Wahl steht, welche Ideen die Kandidierenden haben und was hinter den Wahlprogrammen steckt.

Am Ende blieb vor allem eine Erkenntnis: Kommunalpolitik beginnt nicht erst im Kreishaus. Sie beginnt dort, wo Menschen leben, lernen, arbeiten und ihre Freizeit verbringen – also auch mitten in Groß Ilsede und direkt vor unserer Schultür.